Verdien´ was du willst- Kann Einkommen doch motivieren?

Thomas N.

Seit der zwei Faktoren-Theorie von Herzberg Mitte der 60er Jahre ist bekannt, dass Geld nur sehr bedingt als Motivator für Mitarbeiter geeignet ist. Ein Unternehmen in Hannover und Stuttgart beschreitet neue Wege in der Gehaltsverhandlung.

Bei der Unternehmensberatung Vollmer & Scheffcyzk legen die Mitarbeiter ihr Gehalt selbst fest. Im Vorstellungsgespräch werden den Bewerbern die Geschäftsberichte vorgelegt und anschließend dürfen die Kandidaten selbst festlegen, wie viel sie verdienen wollen.

Gabi Ederpixelio.de

Gabi Eder
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Transparenz heißt das Zauberwort
Die Grundlage des ungewöhnlichen Modells ist die größtmögliche Transparenz und eine gesunde Selbsteinschätzung. Die Mitarbeiter wissen, wie viel Geld die Kollegen verdienen. Neiddebatten gibt es bei V&S nun angeblich nicht mehr. Meint ein Mitarbeiter, der Kollege bewerte seine Leistung zu hoch, wird dieser aufgefordert, das zu erklären. Wo Unstimmigkeiten bleiben, schaltet sich die Geschäftsführung ein, deren Gehälter nach dem gleichen Muster bestimmt werden. Auch Dienstautos, sonstige Vergütungen und Urlaubstage werden nach dem Modell vergeben. Hier spielen Leistung und Arbeitsbelastung eine Rolle. Wer eine Auszeit braucht, kann sich selbst ein Sabbatical genehmigen, solange geregelt ist, wer die Arbeit übernimmt.

Die Idee wurde aus der Not heraus geboren. Vorher fokussierten sich die Mitarbeiter vor allem auf Bonuszahlungen. Die Art der Zielerreichung wurde vernachlässigt. Mitarbeiter sind besonders leistungsfähig, wenn sie sich spannenden, herausfordernden Aufgaben gegenüber sehen. Doch dafür muss laut Lars Vollmer natürlich auch die Entlohnung passen.

Geschäftsführer Andreas Simon äußert sich gegenüber der Financial Times Deutschland am 20.10.2011: “Dass unsere Mitarbeiter ihr Gehalt frei wählen können, ist natürlich ein großer Vertrauensbeweis. Sie sollen so nicht nur ihren allgemeinen Marktwert testen, sondern vor allem ausloten, was bin ich V&S wert. Wenn sie ihre Wünsche durchsetzen können, spiegelt das die finanzielle Anerkennung der gesamten Organisation wider.”

„Es kann Unzufriedenheit gesät werden“
Managementberaterin Uta von Boyen hält dieses Modell eher für ein Experiment. In relativ kleinen Unternehmen mit einer homogenen Belegschaft und vergleichbaren Aufgaben sei dieses Modell möglich. “Es besteht die Gefahr, dass Unfrieden in der Belegschaft gesät wird, weil manche Leistungen nur schwer messbar sind.“ Außerdem äußert Boyen die Befürchtung, dass sich Mitarbeiter überfordert fühlen, mit dieser Art von Macht umzugehen. Das weit verbreitete Gleichheitsdenken oder die unrealistische Selbsteinschätzung einzelner Mitarbeiter können das Modell ebenso in Gefahr bringen.

Sicherlich ist die öffentliche Aufmerksamkeit, die das Gehaltsmodell dem Unternehmensberaters Lars Vollmer bring, ein weiterer nachvollziehbarer Grund das Experiment einer freien Gehaltswahl zu wagen. Bild.de titelte am 15.03.2013 „Völlig gaga oder total genial? Im Unternehmen von Lars Vollmer (41) legen die Mitarbeiter selber die Höhe ihres Gehalts fest!” Allein aus diesem Grund ist es eher „genial“ als „gaga“, wie sich V&S mit dem “selbst gewählten Gehalt” in die Schlagzeilen bringen.

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